Pre-Seed Checkliste: Was Investoren wirklich sehen wollen
Pre-Seed ist die härteste Runde. Keine Zahlen, keine Traktion, kein bewiesenes Modell. Nur du, deine Mitgründer und eine Idee, die du glaubst, dass sie die Welt verändert.
Und trotzdem vergeben Investoren in dieser Phase Millionen. Warum? Was sehen sie?
Nach hunderten Gesprächen haben wir eine Antwort: Sie bewerten keine Fakten — sie bewerten Überzeugungskraft. Die entsteht aus sieben Bausteinen.
1. Das Problem — scharf und spürbar
Investoren hören täglich Pitches. Was bleibt? Das Problem, das sie fühlen. Nicht das Problem, das du beschreibst.
Schwach: „Unternehmen haben ineffiziente Prozesse in der Lieferkette."
Stark: „Mittelständische Logistiker verlieren durchschnittlich 23% ihrer Marge, weil ihre Systeme aus 2003 nicht miteinander reden. Wir haben drei von ihnen gefragt — alle drei wussten das. Keiner hatte eine Lösung."
Der Unterschied: Spezifität. Zahlen. Echte Menschen.
2. Die Lösung — radikal einfach erklärt
Wenn du drei Sätze brauchst, um zu erklären, was du tust, hast du ein Problem. Nicht mit deiner Technologie — mit deiner Kommunikation.
Teste deine Erklärung an jemandem, der nichts von deinem Markt versteht. Wenn er es nicht versteht, ist es nicht einfach genug. Mach weiter.
3. Das Team — Warum ihr?
In der Pre-Seed-Phase ist das Team das Produkt. Investoren wetten auf Menschen, nicht auf Businesspläne.
Was sie suchen: Komplementäre Skills + Persönliche Verbindung zum Problem. Das stärkste Team ist das, das nicht zufällig zusammengekommen ist — sondern das einzige Team, das dieses Problem wirklich lösen kann.
4. Der Markt — groß genug, nischig genug
Die klassische VC-Logik: Der Markt muss groß genug sein für ein milliarden-schweres Unternehmen. Aber: Er muss spezifisch genug sein, damit ihr einen klaren Entry-Point habt.
„Der globale Logistikmarkt ist 8 Billionen Dollar groß" überzeugt niemanden. „Wir adressieren zunächst mittelständische Kurierdienste in der DACH-Region — ein 4,2-Milliarden-Markt, der digital unterversorgt ist" — das ist ein Einstieg.
5. Die Traktion — auch ohne Umsatz
Pre-Seed bedeutet nicht keine Traktion. Es bedeutet: Du hast noch keinen finanziellen Beweis. Aber du kannst andere Formen von Traktion zeigen:
- Pilot-Gespräche mit potenziellen Kunden
- Letters of Intent (LOIs)
- Wartelisten
- Early User Feedback
- Produktprototypen, die jemand wirklich benutzt
Jede dieser Signale sagt: „Wir erfinden das nicht. Der Markt will das."
6. Das Geschäftsmodell — plausibel, nicht perfekt
Du musst kein perfektes Modell haben. Du musst ein plausibles haben. Investoren wissen, dass es sich verändert.
Was sie sehen wollen: Hast du darüber nachgedacht? Verstehst du, wie Geld fließt? Kannst du Unit Economics erklären — auch wenn sie noch Schätzungen sind?
7. Die digitale Präsenz — die stille Bewerbung
Das vergessen viele: Bevor ein Investor ja sagt, googelt er euch. Was er findet, ist euer passiver Pitch.
Eine professionelle Website, die eure Story erzählt. Ein LinkedIn-Profil, das Glaubwürdigkeit ausstrahlt. Content, der zeigt, dass ihr in eurem Markt denkt.
Das ist nicht Kosmetik. Das ist der erste Filter.
Die Checkliste
Geh diese sieben Punkte durch. Beantworte für jeden: Haben wir das? Ist es überzeugend? Würde es uns überzeugen?
- [ ] Das Problem ist spezifisch, belegt durch echte Gespräche
- [ ] Die Lösung ist in einem Satz erklärbar
- [ ] Das Team hat eine story — warum genau wir
- [ ] Der Markt ist konkret benannt mit Entry-Point
- [ ] Mindestens eine Form von Traktion existiert
- [ ] Das Geschäftsmodell ist plausibel skizziert
- [ ] Die digitale Präsenz erzählt die Geschichte
Wenn mehr als zwei dieser Punkte leer bleiben: Das ist deine Arbeit, bevor du pitchst.
Du arbeitest gerade an eurem Pre-Seed? Lass uns darüber reden — kostenfrei und ohne Verpflichtung.